Da sitzt man zu Hause auf seinem Sofa und betrachtet die Bilder in TV von Krieg, Flüchtlingen. Zapp und schon ist man beim Tatort am Sonntag abend.
Einfach Umschalten ging am 26.04. nicht, als wir die Gemeinschaftsunterkunft besuchten. Hautnah durften wir nachvollziehen, wie das Leben eines Flüchtlings -angekommen in Deutschland- weiterverläuft. Nach der Erstaufnahme werden diese auf Unterkünfte in den Kommunen verteilt; so auch in die Gemeinschaftsunterkunft in Waghäusel. Eines der Gebäude in Waghäusel ist derzeit mit ca. 90 Flüchtlingen belegt.

Besuch der Gemeinschaftsunterkunft

Das zweite befindet sich kurz vor der Fertigstellung und bietet ebenfalls für ca. 100 Bewohner Platz. „Ziel ist es die Menschen auf ein Leben in Deutschland während des Anerkennungsprozesses vorzubereiten“, so Herr Giesbach vom Landratsamt. „Probleme gibt es keine. Durch sinnvolle Belegung der Räumlichkeiten hinsichtlich Familien, einzelner junger Männer und Berücksichtigung von Glaubenszugehörigkeit und Herkunft können viele Konflikte von vorneherein vermieden werden. Viele Bewohner wünschen sich sinnvolle Tätigkeiten. Von der Betreuung des Waschraumes bis hin zur Unterstützung in der Außenanlage können Aufgaben wahrgenommen werden. Besonders wichtig ist die Zusammenarbeit mit den ehrenamtlichen Helfern und verschiedenen Vereinen. Die den oftmals traumatisierten Menschen helfen, sich in der neuen Umgebung zurechtzufinden.“, hebt Herr Giesbach anerkennend und dankbar hervor. Die Räumlichkeiten sind nüchtern und zweckmässig ausgestattet. Oftmals verhindern auch Vorschriften z.B. zu Brandschutz und Hygiene eine wohnlichere Athmosphäre, aber für diese Menschen, die manchmal alles bis auf Ihr eigenes Leben verloren haben, ist dies eine wichtige und stabile Umgebung für die erste Zeit in einem neuen Land.

Direkt im Anschluss durften wir uns vor Ort ein Bild von der Situation in der Anschlussunterbringung machen. Auch hier geht man mit der Belegung der Wohneinheiten sorgsam und vorausschauend um, so dass bisher keine besonderen Probleme auftraten. Interessant und für den ein oder anderen neu war die Information, dass die hier lebenden Bewohner auch private Mietverhältnisse eingehen können. Die Stadt Waghäusel stellt den Wohnraum auch nicht kostenfrei zur Verfügung sondern erhält entsprechende Mietzahlungen. Die Bewohner können alternativ, sofern finanziell möglich und verfügbar, private Mietverhältnisse außerhalb der Container eingehen.

Ein Blick in einen unbewohnten Container zeigte, dass hier das Notwendige vorhanden ist. Dennoch würde wohl keiner der Freien Wähler die eigene Wohnung gegen diese bescheidene Unterkunft eintauschen wollen. Deshalb ist es auch selbstverständlich, dass sich sobald sich die soziale und finanzielle Situation für eine hier lebende Familie verbessert, diese sich nach einer besseren Wohnmöglichkeit umsieht. Es bleibt zu wünschen, dass dies vielen in naher Zukunft gelingen wird.

Herzlichen Dank nochmal an Frau Baur und Herrn Schmitt, die uns mit ihrer offenen und kompetenten Art die Situation so gut vermitteln konnten.